Neulich abends auf dem Heimweg lief ich am Stadtteilladen an der Ecke vorbei. Drinnen lief noch eine kleine Veranstaltung, die großen Schaufenster hell beleuchtet. Auf einer Folie, die gerade über den Beamer flimmerte, stand:
„Wenn du schnell vorankommen willst, gehe alleine. Wenn du weit kommen willst, gehe gemeinsam.“
Der Satz blieb hängen. Ich dachte an meinen Arbeitsalltag, an Situationen, in welchen ich mir mehr „Teamfähigkeit“ wünschte und frage mich, sprechen wir alle vom gleichen Gefüge, wenn wir Teamfähigkeit sagen? Kollegen aus dem Personalmanagement schreiben oder verwenden diesen Begriff vermutlich seit Jahrzehnten täglich. Der Begriff „Teamfähigkeit“ taucht in Bewerbungen und Stellenanzeigen ständig auf. Meist inflationär verwendet, oft unscharf - dennoch wichtig? Nun denn, ich versuche eine Klarstellung:
Teamfähigkeit ist kein „Wir verstehen uns alle gut“-Gefühl. Es ist die Fähigkeit, in Unsicherheit, Wandel und Druck handlungsfähig zu bleiben – gemeinsam. Besonders jetzt, wo KI-Technologien Arbeitsprozesse neu sortieren und solide Branchen wie beispielsweise die deutsche Automobilindustrie vor tiefen Brüchen stehen. In solchen Transformationsphasen entscheidet weniger die Einzelbrillanz, sondern die Stärke der Gruppe. Wie gut Wissen geteilt wird, wie offen Konflikte angesprochen werden, wie schnell sich Teams auf neue Anforderungen einstellen. Und, es gelingt an einem Strang zu ziehen.
Aus meiner Sicht gibt es dabei verschiedene Ebenen:
- Operativ: Rollen und Aufgaben klären, Informationen teilen, Entscheidungen nachvollziehbar machen.
- Sozial: Vertrauen & Wertschätzung, wohlwollendes Miteinander & Konfliktfähigkeit. Ohne das bricht jede Zusammenarbeit früher oder später weg.
- Strategisch: Blick fürs Ganze. Teams, die verstehen, warum sie etwas tun, finden auch bessere Wege, wie sie es tun.
Echte Teamfähigkeit zeigt sich jedenfalls nicht an der Fröhlichkeit bei der betrieblichen Weihnachtsfeier oder dem coolen Kicker-Turnier im Pausenraum, sondern darin, ob Menschen auch dann zusammenarbeiten können, wenn es schwierig wird. Wenn die Komfortzone immer wieder verlassen werden muss und vermeintlicher Status im gemeinsamen Anpacken mündet. Bewegliche, flexible Teams, die Routinen hinterfragen, neue Technologien annehmen, Verantwortung (immer neu) verteilen – und dabei das große Ganze, das gemeinsame Ziel im Blick behalten, setzen sich am Markt durch.
Gerade jetzt, in Zeiten rasanten technologischen Wandels, brauchen Unternehmen keine Teams nur für den spaßigen „Feed auf Social Media“, sondern Teams, die tragfähig sind. Die gemeinsam weit kommen wollen.
Übrigens: Fragt man die KI, woher der obige Spruch stammt, so lautet die Antwort, es sei eine afrikanische Weisheit. Und damit bekommt diese wundervolle Botschaft unvermittelt eine neue Perspektive zum Nachdenken.

