In unserer modernen Welt scheint Multitasking unverzichtbar zu sein: E-Mails im Blick, gleichzeitig Chat-Nachrichten beantworten und nebenbei an einer Präsentation arbeiten, während auch noch das Radio läuft. Doch die meisten Forscherinnen und Forscher sind sich einig: Unser Geist ist nicht wirklich darauf ausgelegt, mehrere anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig zu erledigen.
Tatsächlich wechseln wir häufig zwischen Aufgaben hin und her – ein Prozess, der Zeit kostet, Ressourcen verbraucht und oft zu einer weniger guter Leistung führt, als wenn wir eine Aufgabe nach der anderen konzentriert angehen.
Ein zentrales Prinzip hinter dieser Einsicht ist der sogenannte “zentrale Beschränkungspunkt” (Central Bottleneck). Unser Gehirn kann bestimmte Arten von Informationen nur nacheinander verarbeiten, weil sie dieselben kognitiven Ressourcen beanspruchen. Das bedeutet, wenn zwei Aufgaben gleichzeitig deinen Ressourcenbedarf anfordern, kann unser Gehirn diese nicht zeitgleich erledigen. Es muss zwischen ihnen wechseln. Dieser Wechsel kostet uns aber Zeit und Aufmerksamkeit, weshalb das scheinbare Multitasking oft eine Serie von schnellem Aufgabenwechsel ist. Man erlebt dann Phänomene wie Aufmerksamkeitsverschiebungen, Verlangsamung der Reaktion und eine erhöhte Fehlerquote.
Allerdings ist es wichtig zu differenzieren. Es bedarf einer Unterscheidung zwischen automatisierten und kontrollierten Prozessen. Einfache, strukturierte Tätigkeiten, welche uns in Fleisch und Blut übergegangen sind (wie Auto fahren, bestimmte Tastenkombinationen nutzen oder eine routinierte E-Mail-Antwort schreiben), können oft im Hintergrund ablaufen. Sie beanspruchen weniger bewusste Aufmerksamkeit.
Ab dem Augenblick, ab dem wir zwei oder gar drei komplexe Tätigkeiten parallel bearbeiten wollen – etwa eine komplexe Analyse und ein detailliertes Schreiben – beanspruchen diese Aufgaben unsere volle Aufmerksamkeit.
Die Forschung spricht hier vom sogenannten “Task-Switchen-Costa”: Gemeint ist, wir wechseln zwischen zwei Aufgaben und unser Gehirn muss sich jedes Mal neu sich in diese Aufgabe hineindenken.
Dieser Wechsel erfordert mentale Ressourcen, führt zu Verlangsamungen und produziert mehr Fehler als eine konsequente, konzentrierte Bearbeitung einer einzelnen Aufgabe. Und je komplexer die Aufgaben, desto größer der Kostenfaktor. Selbst wenn wir glauben, wir würden parallel arbeiten, ist das in der Praxis oft ein schneller Wechsel zwischen Zwischenergebnissen, Notizen und Kontextspeichern im Arbeitsgedächtnis.
Die alltägliche Praxis des Multitaskings wird zudem oft durch äußere Umstände verstärkt. Unsere vielfältige moderne Technik liefert ständige Reize: hier ein schneller Rückruf, da ploppen Push-Benachrichtigungen auf und in den Social-Media-Apps wollen neue Kommentare beachtet und gelesen werden. Diese Reize konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit und erhöhen die kognitive Last.
Wenn mehrere Reize gleichzeitig auftreten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Information übersehen oder vergessen. Studien zeigen, dass sogenanntes “Medien-Multitasking” zwar subjektiv als produktiv empfunden wird, objektiv aber mit einer geringeren Gedächtnisleistung, schlechterer Lernleistung und längeren Bearbeitungszeiten einhergeht. Es entsteht ein Kreislauf aus Reizüberflutung, häufigem Task-Switchen und einem Gefühl, tagelang beschäftigt zu sein, ohne wirklich Fortschritte zu machen.
Wenn Sie dieses Gefühl auch kennen, lohnt sich ein Blick auf die To-do-Liste und möglicherweise hilft eine Analyse, wie die Aufgaben zukünftig strukturiert werden können, damit diese effizient, korrekt und sinnvoll bearbeitet werden können.











